Mit Zwiebeln gegen Diktatoren

Wau Holland Stiftung und die Zwiebelfreunde gegen Internetzensur

(Dresden, 12.03.2012) Der gemeinnützige Verein Zwiebelfreunde e.V. erhält eine Förderung über 12.000€ von der Wau Holland Stiftung und kann dadurch den Betrieb von Tor-Anonymisierungsservern sicherstellen. Zwiebelfreunde-Vorstand Moritz Bartl: „Wir dürfen Zensur keine Chance geben, um freie Meinungsäußerung weltweit zu stärken und zu fördern.“

Unzensierte und ungehinderte Kommunikation kann Diktatoren stürzen und freie Gesellschaften fördern. Das hat der arabische Frühling gezeigt. Egal ob Ägypten, Libyen oder Tunesien, die dortigen Ereignisse hätten so nicht ohne freien Informationszugang und unzensierte Kommunikationsmittel geschehen können.

Anonymisierungsprojekt Tor

Tor ist eine freie Software, die seit über 10 Jahren als erfolgreiche Ausgründung des MIT von der Forschergruppe Torproject Inc. in Kooperation mit Universitäten weltweit entwickelt wird. Die Software leitet den Datenverkehr eines Nutzers verschlüsselt durch eine Kette aus Servern, den Tor Knoten, um eine Rückverfolgung und Analyse des Nutzerverhaltens zu verhindern. Dabei sind an einer solchen Kommunikation, bevor die Daten an ihr endgültiges Ziel gelangen, immer mehrere solcher Knoten beteiligt. Im Falle von kompromittierten Zwischenstationen - etwa, weil diese von Unrechtsstaaten überwacht werden - gewährleistet es immer noch eine sichere Kommunikation, solange mindestens ein Knoten vertrauenswürdig ist. Das Tor Netz wird ausschließlich von engagierten Freiwilligen betrieben. Täglich wird es von über 500.000 Nutzern weltweit, darunter Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Polizisten, Regierungsmitarbeitern und vielen anderen genutzt. Torservers.net hilft, das Tor Netz durch den Betrieb leistungsstarker Torknoten auszubauen, wodurch auch die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit des Dienstes maßgeblich verbessert wird.

Torservers.net erhält Förderung über 12.000 Euro

Torservers.net, das Kernprojekt des 2011 gegründeten Zwiebelfreunde e.V., betreibt erfolgreich leistungsfähige Tor Exit Server, um genau diesen freien Informationszugang weltweit gewährleisten zu können, und wurde in der Vergangenheit maßgeblich von privaten Spendern und der Access Now Stiftung finanziert. Um seine Dienste auch in Zukunft betreiben und weiter ausbauen zu können, erhielt das Projekt nun eine Förderung der Wau-Holland Stiftung über 12.000€. Die dem Chaos Computer Club nahe stehende Stiftung engagiert sich im Bereich der Folgenabschätzung technischer Entwicklungen und Informationsfreiheit.

Zwiebelfreunde e.V.

Der gemeinnützige Verein Zwiebelfreunde e.V., ist ursprünglich aus dem informellen Verbund Torservers.net hervorgegangen, um eine Plattform für verschiedene Projekte im Bereich der sicheren und anonymen Kommunikation zu schaffen. Darüber hinaus führt der Verein Bildungsmaßnahmen durch, um über die technischen Fortschritte in diesem Bereich aufzuklären und gesammeltes Wissen und Erfahrungen weiterzureichen. Zu diesem Zweck ist der Zwiebelfreunde e.V. mit anderen Gruppierungen wie dem Whistleblower-Netzwerk e.V., La Quadrature Du Net, der schwedischen Aktivistengruppe Telecomix und Privacy International und vielen anderen vernetzt und organisiert Workshops und Nutzertreffen in Deutschland und im Ausland.

„Zwiebelfreunde“? Onion Routing nennt sich das Verfahren, das für unüberwachbare und freie Kommunikation sorgt und auch bei Tor eingesetzt wird. Die Botschaft wird in mehreren Schichten verschlüsselt, ähnlich der Haut einer Zwiebel.

Ansprechpartner:

Julian Wissmann

Zwiebelfreunde e.V.
c/o DID Dresdner Institut für Datenschutz
Königstrasse 9
01097 Dresden

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presse.txt · Last modified: 2012/03/11 22:17 by moritz